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Ratgeber · grundlagen

Das WebP-Format verstehen: Aufbau, Kompression und Herkunft

WebP ist ein modernes Bildformat von Google, das verlustbehaftete und verlustfreie Kompression, Transparenz und Animation kombiniert. Dieser Ratgeber erklärt Herkunft, Aufbau und die Unterschiede zu JPG und PNG.

Mateusz Viola
Mateusz ViolaBetreiber & Tool-Entwickler
Veröffentlicht am ·Zuletzt geprüft am

Wenn du dich mit Bildoptimierung für das Web beschäftigst, stolperst du früher oder später über die Endung .webp. Das Format taucht in Ladezeit-Analysen auf, wird von Content-Management-Systemen automatisch erzeugt und von fast allen aktuellen Browsern angezeigt. Doch was steckt eigentlich dahinter? Warum hat Google ein weiteres Bildformat entwickelt, obwohl es JPG und PNG längst gab? Und wie schafft es WebP, Dateien oft deutlich kleiner zu halten, ohne dass du den Unterschied siehst?

Dieser Ratgeber nimmt WebP auseinander: die Herkunft aus einem Videocodec, den technischen Aufbau des Containers, die beiden Kompressionsverfahren und die ehrlichen Grenzen des Formats. Am Ende weißt du, wann WebP eine gute Wahl ist und wann du besser bei JPG oder PNG bleibst.

Woher WebP kommt: die Wurzeln im Video

WebP wurde von Google im Jahr 2010 vorgestellt. Der Ursprung liegt nicht etwa in einem klassischen Standbild-Format, sondern im Videobereich. Google hatte im selben Jahr das Unternehmen On2 Technologies übernommen und damit den Videocodec VP8 erworben. Die Idee war naheliegend: Wenn ein Videocodec einzelne Bilder (sogenannte Keyframes) effizient komprimieren kann, dann lässt sich diese Technik auch auf einzelne Standbilder anwenden.

Genau das ist WebP im Kern. Das verlustbehaftete WebP nutzt die Intraframe-Kodierung von VP8, also jene Methode, mit der ein Video ein einzelnes vollständiges Bild speichert, ohne Bezug auf vorherige oder folgende Frames zu nehmen. Später kam mit VP8L (das “L” steht für lossless) ein eigenes verlustfreies Verfahren hinzu, das speziell für Standbilder entwickelt wurde und nicht direkt aus dem Videocodec stammt.

Das Ziel von Google war von Anfang an das schnellere Web: kleinere Bilddateien bedeuten kürzere Ladezeiten, weniger Datenverbrauch und geringere Serverkosten. Da Bilder oft den größten Teil des übertragenen Datenvolumens einer Webseite ausmachen, ist genau hier viel Einsparpotenzial.

Der Aufbau: ein RIFF-Container

Technisch ist WebP kein monolithisches Format, sondern ein Container. Er basiert auf dem RIFF-Format (Resource Interchange File Format), das du vielleicht schon von WAV-Audiodateien kennst. RIFF organisiert Daten in sogenannten Chunks, also einzelnen Blöcken, die jeweils einen Typ-Bezeichner und eine Längenangabe tragen.

Eine WebP-Datei beginnt mit der Signatur RIFF, gefolgt von der Dateigröße und der Kennung WEBP. Danach kommen die eigentlichen Datenblöcke. Je nach Inhalt findest du unterschiedliche Chunk-Typen:

  • VP8 für verlustbehaftete Bilddaten
  • VP8L für verlustfreie Bilddaten
  • VP8X für erweiterte Funktionen wie Transparenz, Animation oder Metadaten
  • ALPH für den Alphakanal (Transparenz) bei verlustbehafteten Bildern
  • ANIM und ANMF für Animationen
  • EXIF und XMP für Metadaten wie Kameradaten oder Copyright-Hinweise

Dieser Container-Aufbau erklärt, warum WebP so flexibel ist. Ein einziges Format deckt Anwendungsfälle ab, für die man früher zwischen JPG (Fotos), PNG (Transparenz und Grafiken) und GIF (Animation) wählen musste. Die technische Spezifikation ist in RFC 9649 festgehalten, wodurch WebP inzwischen einen offiziellen Standard-Status hat.

Verlustbehaftet oder verlustfrei: zwei Wege

WebP kann in zwei grundverschiedenen Modi arbeiten, und dieser Punkt wird oft verwechselt.

Die verlustbehaftete Kompression eignet sich für Fotos und komplexe Bilder mit vielen Farbverläufen. Hier werden Bildinformationen bewusst weggelassen, die das menschliche Auge kaum wahrnimmt. Das Ergebnis ist eine kleine Datei, allerdings gehen dabei Details unwiederbringlich verloren. Über einen Qualitätsregler steuerst du, wie stark komprimiert wird. Wie sich dieser Regler konkret auswirkt, erklärt der Ratgeber zu WebP-Qualität und Kompression im Detail.

Die verlustfreie Kompression (VP8L) behält dagegen jedes einzelne Pixel exakt bei. Sie eignet sich für Screenshots, Logos, Illustrationen und Grafiken mit klaren Kanten und großen einfarbigen Flächen. Hier ist WebP ein direkter Konkurrent zu PNG und erzeugt in vielen Fällen kleinere Dateien.

Ein großer Vorteil gegenüber JPG: WebP unterstützt in beiden Modi einen Alphakanal, also echte Transparenz mit bis zu 256 Abstufungen. JPG kann das grundsätzlich nicht. Damit kannst du ein transparentes Logo verlustbehaftet komprimieren, was mit den klassischen Formaten nicht möglich war.

Wie WebP komprimiert: prädiktive Kodierung

Der interessanteste Unterschied zu JPG liegt in der Art, wie das Bild komprimiert wird. JPG arbeitet mit der diskreten Kosinustransformation (DCT). Vereinfacht gesagt zerlegt JPG das Bild in Blöcke von 8 mal 8 Pixeln und beschreibt jeden Block als Summe von Wellenmustern verschiedener Frequenzen. Feine Details entsprechen hohen Frequenzen, und genau diese werden bei starker Kompression zuerst weggelassen. Das erklärt die typischen JPG-Artefakte an scharfen Kanten.

WebP setzt zusätzlich auf prädiktive Kodierung (Blockvorhersage). Die Grundidee: Statt jeden Bildblock isoliert zu speichern, schaut der Codec auf bereits kodierte Nachbarblöcke (oben und links) und sagt vorher, wie der aktuelle Block ungefähr aussehen müsste. Gespeichert wird dann nur noch die Differenz zwischen dieser Vorhersage und dem tatsächlichen Inhalt. Da benachbarte Bildbereiche sich meist ähneln, ist diese Differenz oft sehr klein und lässt sich effizient komprimieren.

Der verlustfreie Modus geht noch weiter. VP8L verwendet mehrere Vorhersagemodi, Farbtransformationen und einen wörterbuchbasierten Ansatz, der wiederkehrende Pixelmuster erkennt. Dadurch schlägt WebP verlustfrei häufig die PNG-Kompression, ohne Qualität einzubüßen.

Diese Verfahren sind der Grund, warum WebP bei gleicher sichtbarer Qualität oft kleinere Dateien liefert als JPG. Eine ausführliche Gegenüberstellung findest du im Ratgeber JPG und WebP im direkten Vergleich.

Die Stärken von WebP auf einen Blick

Fassen wir zusammen, wo das Format punktet:

  • Kleinere Dateien bei Fotos: Gegenüber JPG spart verlustbehaftetes WebP bei vergleichbarer Qualität in vielen Fällen 25 bis 35 Prozent Dateigröße.
  • Transparenz mit Kompression: Anders als JPG unterstützt WebP einen Alphakanal, und anders als PNG kann es Transparenz auch verlustbehaftet und damit kompakter speichern.
  • Ein Format für viele Zwecke: Fotos, Grafiken, transparente Elemente und sogar Animationen lassen sich in WebP abbilden.
  • Offener Standard: WebP ist lizenzfrei nutzbar und inzwischen als RFC 9649 dokumentiert.
  • Breite Browserunterstützung: Alle aktuellen Browser zeigen WebP an, was das Format alltagstauglich macht.

Wenn du eigene Fotos ausprobieren möchtest, kannst du auf jpgwebp.de deine JPG-Dateien direkt lokal im Browser in WebP umwandeln. Die Bilder werden dabei nicht hochgeladen, sondern über die Canvas-Funktion deines Browsers verarbeitet, sodass sie dein Gerät nicht verlassen.

Die ehrlichen Grenzen: WebP ist kein Allheilmittel

Bei aller Begeisterung gehört zur Wahrheit auch, dass WebP nicht in jeder Situation die bessere Wahl ist. Ein paar Punkte solltest du kennen.

Erstens ist WebP nicht automatisch kleiner. Bei bereits stark optimierten JPG-Dateien oder bei sehr einfachen Grafiken kann eine WebP-Version gelegentlich sogar größer ausfallen. Es lohnt sich, im Zweifel beide Varianten zu erzeugen und die Dateigrößen zu vergleichen, so wie es der Konverter auf dieser Seite direkt anzeigt.

Zweitens gibt es Qualitätsgrenzen bei sehr hoher Kompression. Wer den Qualitätsregler zu weit herunterdreht, bekommt bei WebP eine eher weiche, verwaschene Darstellung, während JPG in diesem Bereich manchmal mehr Details, dafür aber sichtbare Blockartefakte zeigt. Welches Ergebnis dir besser gefällt, hängt vom Motiv ab.

Drittens kann sehr alte Software Probleme mit WebP haben. Ältere Bildbetrachter, betagte Office-Versionen oder manche E-Mail-Programme kennen das Format nicht und zeigen die Datei gar nicht erst an. Für den Versand an Empfänger mit unbekannter Software ist ein klassisches JPG oft die sicherere Wahl. Für das Web dagegen ist die Unterstützung heute kein echtes Hindernis mehr.

Viertens ist WebP kein Archivformat für die Bearbeitung. Wenn du ein Bild mehrfach öffnest, bearbeitest und wieder verlustbehaftet speicherst, summieren sich die Verluste (Generationenverlust). Für die Bildbearbeitung nutzt du besser ein verlustfreies Arbeitsformat und exportierst erst am Ende nach WebP.

Vergleichstabelle: WebP, JPG und PNG

Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Eigenschaften zusammen und hilft dir bei der Entscheidung, welches Format für welchen Zweck passt.

EigenschaftWebPJPGPNG
Vorgestellt2010 (Google)1992 (JPEG-Gruppe)1996 (W3C)
VerlustbehaftetJaJaNein
VerlustfreiJa (VP8L)NeinJa
Transparenz (Alpha)JaNeinJa
AnimationJaNeinNein (nur APNG)
KompressionsprinzipPrädiktiv (VP8/VP8L)DCTDEFLATE
Typische Dateigröße FotoKleinMittelGroß
Ideal fürWeb-Fotos, Web-GrafikFotos, breite KompatibilitätGrafiken, scharfe Kanten
Unterstützung alte SoftwareEingeschränktSehr breitBreit

Fazit

WebP ist ein durchdachtes, modernes Bildformat, das die Stärken von JPG und PNG in einem Container vereint und dabei auf clevere prädiktive Kompression aus dem Videobereich setzt. Für das Web ist es in den meisten Fällen die effizientere Wahl, besonders bei Fotos und transparenten Grafiken. Gleichzeitig lohnt sich ein ehrlicher Blick: Nicht jede Datei wird kleiner, und für den Austausch mit sehr alter Software bleibt JPG praktischer. Wenn du wissen möchtest, in welchen konkreten Situationen sich der Umstieg lohnt, hilft dir der Ratgeber Wann WebP statt JPG sinnvoll ist weiter.

Hast du einen Fehler entdeckt oder einen Quellen-Hinweis für uns? Schreib gern an info@akara-solutions.de.

Quellen

  • Google Developers: WebP (developers.google.com/speed/webp)
  • RFC 9649: The WebP Image Format
  • MDN Web Docs: Image file type and format guide

Korrekturen oder bessere Quellen? Schreib an info@akara-solutions.de. Änderungen landen mit Datum auf /korrekturen.

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